Glen Scotia | aged 12 years | Whisky for the Year 2026

Single Malt Scotch Whisky

46,0%vol. | bottled 2025 | Matured in 1st Fill Bourbon

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Es gibt Whiskys, bei denen es eigentlich verwunderlich ist, warum es sie erst jetzt gibt. Mein Einstieg in die Whiskywelt waren 12 Jahre alte Whiskys von Glenfiddich und Glenlivet. Wie kann es da sein, dass ein angemessener 12jähriger in der Core Range von Glen Scotia erst 2025 auftaucht? Egal – dieser Whisky erfüllt viel von dem, was ich mir als Nerd von guten Whiskys wünsche: Er ist 12 Jahre alt, er ist mit 46%vol. abgefüllt, nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt. Eigentlich sind die Wünsche der Nerds doch gar nicht so abgehoben.

Dieser Glen Scotia trägt den Titel ‚Classic Campbeltown Malt‘, was zutreffend ist, denn er reifte klassisch in 1st Fill ex-Bourbon Barrels. Erhältlich ist er Ende 2025 für 42 €. Der Whisky ist unpeated. Ich finde das schade – für den Einstieg in die Glen Scotia Range ist es aber sicherlich die richtige Entscheidung.

Nosing

In der Nase ist es ein Whisky, der mit reifen Fruchtaromen startet, dann würzigere Töne entwickelt, etwas Schokolade, leichtes Holz, alles gut miteinander verwoben. Grundlage ist eine cremige Vanille, alle Aromen sind reif genug, da ist weder alkoholische Schärfe noch jugendliche Bitterkeit.

Taste

Im Geschmack schiebt der Alkohol die Aromen leicht, der Whisky hat eine gewisse Süße, die nicht aufdringlich startet und dann trockener wird. Es ist Karamell mit Vanille vorhanden, dazu kommen dann gelbe Früchte, reife Birne, gelbe Pflaumen. Die Früchte werden aber mit leicht bitteren Aromen kontrastiert, vielleicht etwas Quitte, Kumquats und ein paar Schlehen. Da ist nicht direkt Campbeltown Funk, der Whisky ist aber auch nicht zu gefällig.

Finish

Am Ende bleibt eine karamellige Note mit Röstaromen und trockenen Aspekten am Gaumen. Dazu blitzt auch eine schöne Holznote auf.

Conclusion

Einsteigenden in die Whiskywelt werden ja oft Whiskys empfohlen, die wir Nerds gar nicht trinken wollen. Das finde ich schade. Dieser Whisky schmeckt mir sehr gut und findet einen Platz in meiner Sammlung. Ich würde ihn aber auch allen Einsteigenden empfehlen, denn er hat so viel mehr zu bieten als viele der sogenannten Einsteigendenwhiskys. Er hat den Charakter, den diese oft vermissen lassen, der zu Whisky aber immer dazugehört.

Es gibt in Campbeltown den Linda McCartney Memorial Garden, der an die tolle 1998 verstorbene Fotografin und Künstlerin erinnert. Es ist ein geschützter, zwischen den Gebäuden liegender Platz der Ruhe mit Blumen, Bäumen und Büschen. Und trotzdem sind Hafen und Atlantic nicht weit. Dieser Whisky passt gut zu diesem Ort, den ich auf jeden Fall wieder besuchen möchte.

Whisky for the Year 2026

Auch für 2026 kommt mein Whisky for the Year aus Campbeltown. Ich mag diese kleine Whiskyregion und ich mag die Kintyre Halbinsel, die ein wenig abgelegen liegt und einen eigenen Charakter hat. Den haben auch die Whiskys, die hier entstehen.

Der Glen Scotia 12 ist kein außergewöhnlicher Whisky, aber es ist ein Whisky, wie ich ihn mir viel öfter wünsche. Er ist gut, er ist integer, er ist preiswert und somit ein Whisky, den man einfach mal so genießen kann. Damit ist er der perfekte Whisky for the Year 2026.

Linda McCartney Memorial Garden, Campbeltown | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glen Scotia Distillery

founded: 1832 | Region:  Campbeltown
Owner: Loch Lomond Group (Hillhouse Capital)
Capacity: 800.000 LPA

LPA: Litres of Pure Alcohol

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026

Drei Distilleries sind von den 1825 etwa 30 Brennereien übriggeblieben. Auch wenn vor allem Springbank gehypt wird – Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Tipp entwickelt. Die Brennerei veröffentlicht interessante Sonderabfüllungen, hat aber auch eine gute Core Range. Wenn man nun noch konsequent auf Färbung und Kühlfilterung verzichten würde – was bei vielen der Abfüllungen schon der Fall ist – wäre Glen Scotia eine der Top Distilleries in Schottland.

Aktuell gehört die Brennerei zur Loch Lomond Group, die wiederum der chinesischen (Hongkong) Kapitalgesellschaft Hillhouse Capital gehört.