Glen Scotia | Victoriana | 2024 Bottling
Single Malt Scotch Whisky
54,2%vol. | bottled 2024 | Finished in Deep Charred Oak
un-chillfiltered
chillfiltered
natural colour
coloured
un-peated
lightly peated
cask strength
Single Cask
Es ist einige Zeit her, seit ich den Victoriana das letzte Mal verkostet habe. Seitdem hat sich das Design geändert. Was geblieben ist: Der Whisky ist ungefärbt und nicht kühlgefiltert und wurde in Cask Strength abgefüllt. Aber egal aus welchem Jahr er stammt – Cask Strength sind immer 54,2%vol.. Da könnte man jetzt drüber philosophieren. Vielleicht mischen sie Batches, die für etliche Jahre reichen, auch wenn zwischendurch das Design geändert wird? Vielleicht wird er aber auch vor einfüllen in die Fässer zum Finish bereits verdünnt, denn 54,2%vol. sind für einen NAS Cask Strength Whisky nicht viel. Egal. Es ist ein NAS Whisky und zu den Fässern gibt es auf der Website des Importeurs Hawe die Angabe, dass der Whisky zunächst in 1st Fill ex-Bourbon reift und danach 30% des Batches in 1st Fill PX Sherry Butts und 70% in heavy Char Barrels gefinisht wird. Das führt einer kräftig goldenen Farbe. Preislich geht es im Winter 2025 von knapp 60 bis 78 €.
Nosing
In der Nase kommt Frucht, es kommt Vanille, da ist eine leicht Säure. Und es kommt auch etwas Rauch. Mir ist er zunächst gar nicht so aufgefallen, aber er ist da und sorgt für den leichten Schmutz, den wir gern als Campbeltown Funk bezeichnen. Und wenn er dann erstmal auffällig geworden ist, verliert man den Rauch auch nicht mehr aus der Nase. Der Rauch überdeckt dann auch eine leichte mineralische Note, die vielleicht Jugend sein könnte.
Taste
Im Mund hat der Whisky einen kräftigen Antritt, die 54,2%vol. schieben beim ersten Schluck kräftig, sind aber nicht unangenehm. Und hier kommt der Rauch jetzt wesentlich präsenter, als ich ihn in Erinnerung hatte. Die säuerlichen Früchte sind vorhanden, vielleicht ist es Ananas, dazu kommt aber auf jeden Fall auch Orange, vielleicht auch Kumquats. Nach dem ersten Schluck wird der Alkohol auch ohne Wasser zurückhaltender. Der Rauch bleibt deutlich, im Hintergrund hat er vielleicht auch eine leichte Assoziation von verkohltem Holz, was zum Deep Charr passen würde. Insgesamt ist der Rauch aber mehr Rauch als Funk und der Whisky dürfte nicht allzu alt sein.
Finish
Der Whisky entwickelt sich im Nachklang trocken mit ein paar bitteren Aromen und Rauchigkeit, die am Gaumen bleibt.
Conclusion
Ich habe den Victoriana weniger rauchig und mit anderem Funk in Erinnerung. Aber Erinnerungen können halt auch täuschen. Der Whisky ist nicht alt, hat aber auch keine störend jungen Aromen. Sicherlich deutet aber die Rauchigkeit mit einer bitteren Komponente auf das fehlende Alter hin. Es ist ein leckerer Glen Scotia, die Kombination aus Rauch, angebranntem Karamell mit Vanille und leicht bitteren Orangen ist schon lecker. Trotzdem ist meine Erinnerung besser als das heutige Tasting. Irgendwann mache ich eine alte Flasche auf, die ich noch im Bestand habe. Heute bekommt er einen Punkt weniger als vor drei Jahren, bleibt aber ein guter Whisky. Mehr als 60 € sollte der Victoriana auf keinen Fall kosten.
Gehört der Victoriana tatsächlich in die Fifty Whiskys? Vor dem Tasting war ich mir da sicherer als danach. Es ist ein guter Whisky, keine Frage – ich finde ihn aber zu teuer. Preise bis 65 € finde ich akzeptabel, alles was darüber liegt, ist meiner Meinung nach nicht mehr gerechtfertigt. Denn so gut der Whisky auch ist – die jungen bEstzandteile sind schon spürbar.
Auf der anderen Seite spricht die leichte Rauchigkeit für den Whisky, sein Campbeltown Charakter macht ihn besonders. Und damit passt er dann doch gut in die Reihe der Fifty Whiskys.
Glen Scotia Distillery
founded: 1832 | Region: Campbeltown
Owner: Loch Lomond Group (Hillhouse Capital)
Capacity: 800.000 LPA
LPA: Litres of Pure Alcohol
Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026
Drei Distilleries sind von den 1825 etwa 30 Brennereien übriggeblieben. Auch wenn vor allem Springbank gehypt wird – Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Tipp entwickelt. Die Brennerei veröffentlicht interessante Sonderabfüllungen, hat aber auch eine gute Core Range. Wenn man nun noch konsequent auf Färbung und Kühlfilterung verzichten würde – was bei vielen der Abfüllungen schon der Fall ist – wäre Glen Scotia eine der Top Distilleries in Schottland.
Aktuell gehört die Brennerei zur Loch Lomond Group, die wiederum der chinesischen (Hongkong) Kapitalgesellschaft Hillhouse Capital gehört.