Edradour | Caledonia | aged 12 years

Oloroso Sherry Cask | 46,0%vol.

Heute ein Whisky zum St. Andrews Day, dem schottischen Nationalfeiertag am 30. November. Da passt der Edradour Caledonia mit der schottischen Flagge mit dem Andreas-Kreuz doch ganz gut. Caledonia ist nicht nur der lateinische Name für Schottland, es ist auch ein bekannter Song von Dougie MacLean, den Andrew Symington an der Kreation des Whiskys beteiligt hat. Edradour fällt immer wieder durch seine super-dunklen Sherryabfüllungen aus Einzelfässern auf. Der Caledonia ist ebenfalls im Oloroso Sherry Cask gereift, ist ordentliche 12 Jahre alt, hat aber eine wunderbar normale Farbe. Früher wäre das dunkler Sherry-Whisky gewesen – heute ist es normaler Sherry-Whisky.

Nosing

An der Nase kommen natürlich die Sherryaromen, aber auch hier nicht erschlagend und brachial, sondern mit einem schönen fruchtigen Einschlag. Da sind Rosinen und reife Pfirsiche, es kommen aber auch Kräuter und ein paar Weihnachtsgewürze. All das verbindet sich zu einem typischen Edradour-Aroma, das den dunklen Abfüllungen oftmals fehlt. Der Geruch ist nicht zu süß, wird von der fruchtigen Note und nussigen Oloroso-Aromen getragen. Da ist Trauben-Nuss-Schokolade mit einem Hauch Zimt und Estragon.

Taste

Mit 46,0%vol. ist der Alkohol kräftig genug, um die Aromen im Mund zu verteilen, brennt aber nicht. Auch auf der Zunge kommt der Whisky mit Sherrywürze, Pflaumen und Rosinen, wird dann nussig und bringt reife Holztöne. Das Holz und der Sherry sorgen auch hier für einen typischen Edradourgeschmack, der einen kräftigen Highlandcharakter mit nussiger Schokolade hat.

Finish

Im Nachklang bleiben herbe Töne ohne starke Bitterkeit, das Holz ist aktiv, nicht muffig oder gar ausgelaugt. Es bleiben auch Gewürze mit Zimt und Estragon.

Conclusion

Ein wunderbarer Whisky für den St. Andrews Day, nicht nur wegen der Flagge. Der Caledonia ist ein gutes Beispiel für einen leckeren, bezahlbaren Whisky aus guten Fässern mit Age Statement und natürlich ohne Farbe und Kühlfiltrierung. Und es ist einer der Whiskys, die einen besonderen Brennerei-Charakter zeigen, die wiedererkennbar sind. So sollte Scotch Single Malt Whisky öfter sein …

Oh and let me tell you that I love you
That I think about you all the time
Caledonia you’re calling me and now I’m going home
For if I should become a stranger
You know that it would make me more than sad
Caledonia’s been everything I’ve ever had

Welcome to Scotland | © Klaus Bölling, www.boelling.de

WhiskyJason MEGA FINALE Scotch Single Malt Blind Tasting

Edradour Caledonia hat das Finale am 15.01.2022 gewonnen. Dieser Whisky ist verdient Sieger der Tasting Serie geworden. Ist es der beste Whisky Scotlands? Das ist schwer zu entscheiden. Aber es ist ein Whisky, der alle Faktoren hat, die wir am Whisky lieben: Es ist kein Industrie-Whisky, er kommt aus einer kleinen Destillerie, die handwerklich arbeitet. Es ist kein Konzern-Whisky, der für den Massengeschmack glattgebügelt wird. Und es ist ein Whisky, der vieles von dem richtig macht, was Signatory zur Zeit falsch macht: Hier wird der Brennerei-Charakter nicht durch Sherry-Sirup übertüncht. Der Whisky reift für ehrliche 12 Jahre in guten Fässern, er ist nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert, hat erhöhte Trinkstärke und ist verdammt lecker. Ein würdiger Sieger dieser außergewöhnlichen Challenge!

Edradour Distillery

foundet: 1825 | Region: Highlands
Owner: Signatory Vintage
Capacity: 260.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Vor dem Boom neuer Distillerys und kleiner Craft Distillerys firmierte Edradour gern als Scotland’s smallest Distillerys. Heute ist sie einfach Scotland’s Little Gem, was angesichts der pittoresken Farmgebäude mit den roten Türen absolut wahr ist.

2002 kauft Andrew Symington vom unabhängigen Abfüller Signatory Vintage die kleine, oberhalb von Pitlochry gelegene Brennerei. Er entwickelt das Portfolio weiter, mit dem Ballechin kommt eine rauchige Variante dazu. Die Marke entwickelt sich vom Geheimtipp zu einem gefragten Produkt.

2018 eröffnet Symington Edradour 2 auf der anderen Seite des Baches, der durch das Gelände der Brennerei fließt. Die neue Distillery ist eine exakte Kopie der ursprünglichen Brennerei. So wird die Whiskymenge verdoppelt und der Charakter bleibt erhalten.

Leider führt der Boom zu knappen Vorräten und übertriebenen Preisen für die besonderen Abfüllungen. Das – und die Tendenz zu jungen Farbmonstern – zerstört den Charme dieser tollen Brennerei.

Signatory Vintage

Der unabhängige Abfüller wurde 1988 von Andrew Symington gegründet. Ursprünglich sollten berühmte Persönlichkeiten die Abfüllungen unterzeichnen (Signatory), was aber wohl nie stattfand.

2002 übernahm Andrew Symington die Edradour Distillery von Pernod Ricard. Dort lagern heute auch viele der Signatory Fässer.