Waterford | The Cuvée 1.1 | Irish Single Malt Whisky

US 1st Fill, US New Oak, French Oak, VDN | 50,0%vol.

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Die irische Woche rund um den St. Patrick’s Day am 17. März endet mit einer der aufregendsten neuen Brennereien auf der Insel.

Waterford, der neue Star am Whiskyhimmel. Mark Reynier, der die legendäre Wiederauferstehung von Bruichladdich verantwortet hat, ist nach der Vertreibung aus dem Islay-Paradies in Irland angekommen und sorgt hier mit viel Engagement und Marketing für neue Whisky-Geschichten. Und ja – dieser Ire hat kein e vor dem y. Auch so eine Geschichte. Und dann ist da noch Terroir. Ok, alles super. Aber taugt der Whisky?

Dieser stammt nicht von einer Einzelfarm, sondern ist ein Cuvée der Whiskys vieler Farmen, quasi ein Vorgriff auf eine Core Range, ist viereinhalb Jahre alt, nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert und es gibt sicherlich noch viele Geschichten drumherum. Wie gesagt: Taugt der Whisky?

Nosing

Junge Whiskys riechen wie junge Whiskys: Unreif, nach New Make, nach Washback und Hefe. Kann man mögen – ist aber nicht der Gipfel des Whiskygenusses. Helle unreife Früchte, Bitterkeit, Hefe und Getreide. Es kommen auch süße Noten, vielleicht etwas Weiniges – aber insgesamt dominieren halt die unreifen Aromen eines zu jungen Whiskys.

Taste

Trotz 50%vol. ist er im Geschmack wässrig, was auch aufgrund der Fasskombination mit Virgin Oak überrascht. Da sind Früchte, da ist Potential, das Gefühl, die Aromen wären als Versprechung da, können sich aber noch nicht entfalten. Es ist auch holz vorhanden, was aufgrund des offensiven Fassmanagements nicht verwundert. Aber auch das Holz bleibt eher eine Versprechung.

Finish

Das Finish ist kurz, der Whisky bleibt im Mund nicht präsent.

Conclusion

Ich verstehe, dass es für neue Brennereien schwierig ist. Sie müssen ein Produkt auf den Markt bringen, das erst in höherem Alter seine Faszination ausspielen kann. Waterford überschwemmt den Markt mit unzähligen Varianten und ist damit erfolgreich. Dieser Whisky ist auch gar nicht schlecht, er hat gute Aromen, er lässt erahnen, was er in fünf Jahren sein kann. Aber er ist noch nicht fertig, er braucht Zeit. Unter all den Jungen, die gerade mit viel Getöse auf den hyperventilierenden Markt gepusht werden, ist der Waterford sicher einer der Vielversprechendsten. Wahrscheinlich wird in 5 Jahren auch mal eine volle Flasche in meine Sammlung wandern. Zur Zeit ist er hochinteressant – aber noch kein wirklicher Whiskygenuss. Und der aufgerufene Preis von 70 € Anfang 2022 ist eine Frechheit, die die Sympathie für das eigentlich großartige Konzept der Waterford Distillery auf eine harte Probe stellt.

Fanad Head Lighthouse, Donegal, Ireland © Klaus Bölling, www.boelling.de

Waterford Distillery

foundet: 2015 | Region: Ireland, Co. Waterford
Owner: Renegade’s Waterford Distillery Ltd.
Capacity: 1.000.000 litres

Mark Reynier kommt aus dem Weinhandel und ist über den unabhängigen Abfüller Murray McDavid zum Whisky gekommen. Im Jahr 2000 hat er mit Simon Coughlin und Gordon Wright die 1995 stillgelegte Bruichladdich Distillery auf Islay wieder zum Leben erweckt und mit grandiosen Mitstreitern wie Jim McEwan und dem 2020 leider verstorbenen Duncan McGillivray zu neuer Blüte und zu großem Renommee geführt. Viele der Entwicklungen der modernen Whiskywelt, wie Wein-Finishes wurden hier entwickelt. 12 Jahre später war man so erfolgreich, dass die Brennerei – gegen den Willen von Reynier – für die Rekordsumme von 58 Mio. britischen Pfund an den Konzern Remy Cointreaux ging.

Reynier blieb dem Whisky treu und kaufte mit seinem Anteil eine stillgelegte Brauerei im irischen Waterford, die seit Ende 2015 arbeitet. Und auch dies soll eine große Geschichte werden, denn Reynier will hier das aus dem Weinbau bekannte Terroir für den Whisky entdecken. Im Mittelpunkt stehen die Gerste und ihre Produzenten. Nach Farm getrennt wird die Gerste verarbeitet und destilliert, sodass der Charakter jeder Farm im Whisky erkennbar wird. Die ersten Destillate zeigen zumindest signifikante Unterschiede trotz vergleichbarer Reifung. Waterford könnte eine der spannendsten Distilleries der nächsten Jahre werden. Und diesmal drängt hoffentlich niemand Mark Reynier zum Verkauf.