Longmorn | A Dream of Scotland | aged 16 years

Refill Sherry Hogshead | 51,1%vol. | bottled 2022

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Die Whisky Week: Eine Woche lang erscheinen Tastings zu einem bestimmten Thema, einer Distillery, einem Abfüller – eine Woche lang Whiskys unter einem einheitlichen Motto.

Dritter Tag der ADOS-Week und wir sind zurück in Schottland. Longmorn – eine Distillery, die es gibt, die aber selten in den Foren als gehypte Lieblingsdestille auftaucht. Ist halt Stoff, der in Blends verschwindet und ab und an in überteuerten Flaschen auftaucht. Einige haben am unteren Flaschenteil ein eingelassenes Lederband. Weiter aus der Zeit kann man kaum sein. Poserflaschen aus der Zederparfüm-Ära zigarrengelber, alter Männer. Da will man ja nun wirklich nicht zugehören.

Wenn dann das Brühler Whiskyhaus eine Abfüllung hat, kann man schon mal hinschauen, auch wenn das Etikett nicht so geil ist. Irgendein Ninja-Kraken-Gulp im Wald, zu dem den Fantasy-Fans auch was einfällt. Mir nicht. Interessiert mich auch nicht. Zum Glück muss die Flasche auch nicht im Sammlungsregal verrotten. Aber das Sample wird getrunken und hoffentlich genossen, das verhindert auch der Gulp nicht.

Nosing

Das ist von den Aromen her zumindest keiner der klebrigen ADOS-Sherry-Whiskys. Hier lauert nicht die Schwarzwälder-Kirschtorte mit üppiger Sahne. Das ist eher der Whisky zum herben Assam-Tee an einem stürmischen Wintertag an der Nordsee. Und dann kommt doch wieder das Etikett ins Spiel – der Kraken-Gulp hat gelb glühende Augen. Und bei diesem Whisky glüht es auch im Untergrund. Und das könnte Schwefgelglut sein. Ist im Aroma ganz ok, könnte aber im Geschmack problematisch werden.

Taste

Im Geschmack bestätigt sich, dass dies nicht der Whisky für den Tortennachmittag ist. Der hat Dampf und würzig trockenen Sherry. Und natürlich ist da auch Schwefel, hier wurde eindeutig ein Böller gezündet. Das endet aber nicht seifig mit abgestandenen Eiweißnoten. Macht aus dem Whisky aber andererseits auch keinen angenehmen Partner zum Dessert. Der Whisky hat Feuer und Glut, wer das mag ist hier richtig. Wer die tiefe Sherryfrucht mit trockenen Rosinen und Datteln sucht, wird eher enttäuscht.

Finish

Ich glaube, Marco Bonn nennt das in seinen Videos manchmal „Schmutzbuckligkeit“. Nettes Wort – muss man aber mögen. Denn diese Note bleibt am Ende noch einige Zeit im Mund.

Conclusion

Das ist ein interessanter Whisky. Und das ist ein Satz, der folgendes aussagt: Ein Whisky, der nicht auf den ersten Eindruck schmeckt, der interessante Aspekte hat, die man gern mal probiert, aber dann ist es doch wunderbar, keine ganze Flasche zu haben. Und dann freut man sich wieder auf einen Glenallachie 15.

Irgendjemand schreibt in der Base, hier sei kein Schwefel spürbar. Klar, in den Zündplättchen ist ja auch keiner. Und in den glühenden Augen des Kraken-Gulps sowieso nicht. Und die Welt wird gut …

© Klaus Bölling, www.boelling.de

Longmorn Distillery

foundet: 1894 | Region: Speyside
Owner: Chivas Brothers (Pernod Ricard)
Capacity: 4.500.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Eine weitere Chivas Distillery, die hauptsächlich für die Highend-Blends arbeitet. Es gibt einen 16jährigen whisky aus der Core Rage, gefärbt, 48%vol., Preis jenseits von Gut und Böse.

Also keine Brennerei, mit der man sich unbedingt näher beschäftigen möchte oder könnte. Denn ein Visitor Center gibt es auch nicht …

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!